Triage und Ersteinschätzung in der Notaufnahme


Triage bzw. Ersteinschätzung in der Notaufnahme sind heute methodischer Alltag, um den wachsenden Patientenansprüchen und -ansturm zu entsprechen. Gestützt durch eine moderne Triage Software lassen sich Triage und Ersteinschätzung optimieren und nachhaltig dokumentieren.

Das Patientenaufkommen in den Notaufnahmen deutscher Krankenhäusern steigt stetig. Jedes Jahr kommen fast zehn Prozent mehr Patienten dazu und jeder möchte sofort behandelt werden. Viele von ihnen stellen sich eigeninitiativ in der Notaufnahme vor. Die Gründe hierfür sind u.a. Unwissen über ambulante Notfallstrukturen, Unsicherheit über die Schwere der eigenen Erkrankung oder lange Wartezeiten auf einen Facharzttermin.

Damit landen immer mehr Patienten in der Notaufnahme, die nicht zwingend einer Notaufnahme zu zuordnen wären. Gleichzeitig wird der Anspruch der vermeintlichen Notfallpatienten, gestützt durch politische Statements und Medienberichte, immer größer. Wer sich als Notaufnahme hier nicht klar strukturiert und durchgängig die Triage dokumentiert, hat wenig Grundlage bei Nachfragen oder Beschwerden eines Patienten.

Triage Systeme teilen Notfallpatienten nach Dringlichkeit ihrer Behandlung ein

Triage Systeme beschreiben Instrumente zur Abschätzung der Behandlungsdringlichkeit eines Notfallpatienten. Der Begriff „Triage“ kommt vom französischen Wort „trier“ und bedeutet „sortieren“. Aus der Militärmedizin bzw. dem Katastrophenmanagement abgeleitet, werden strukturierte Triage-Instrumente heute auch in Notaufnahmen eingesetzt und dort auch als „Ersteinschätzung“ bezeichnet.

Triage Systeme dienen dem Zweck, die begrenzten personellen und materiellen Möglichkeiten auf das medizinisch Dringliche zu konzentrieren. Fachkräfte können anhand von Vitalzeichen wie etwa Blutdruck und Temperatur, sowie Aussagen und Symptomen des Notfallpatienten innerhalb weniger Minuten erkennen, wie dringlich eine sofortige Behandlung ist. Durch Triage Systeme kann eine qualifizierte Behandlungsreihenfolge in der Notaufnahme festgelegt werden. Triage Systeme helfen, Notfallpatienten nach Dringlichkeit ihrer Behandlung einzuteilen und medizinische Behandlungsleistungen zu priorisieren. Richtig dokumentiert sind sie der Grundstein für die Steuerung aller nachfolgenden Behandlungsprozesse.

Struktur durch standardisierte Triage-Systeme in Kliniken

Um eine strukturierte und validierte Entscheidungsgrundlage für alle notfallmedizinischen Fachkräfte zu haben, wurden standardisierte Triage- bzw. Ersteinschätzungs-Systeme in Klinken entwickelt. Weltweit gibt es vier gängige Triage-Systeme, die in den Notaufnahmen der verschiedenen Kliniken Anwendung finden.

Die internationale Fachliteratur nennt fünfstufige Triage-Systeme als valide und verlässliche Instrumente. Zur Strukturierung in Notaufnahmen deutscher Kliniken werden bislang in erster Linie das Manchester-Triage-System (Manchester Triage Scale bzw. MTS Triage) und der Emergency Severity Index  (ESI Triage) erfolgreich zur Ersteinschätzung eingesetzt. MTS kommt in Deutschland am häufigsten zum Einsatz.

MTS Triage: Manchester Triage Scale

Manchester Triage Scale, kurz MTS, wurde in den 90er Jahren in Großbritannien entwickelt und wird mittlerweile in vielen, vor allem europäischen Ländern eingesetzt. Bis zur Einführung der Manchester Triage Scale hing die Ersteinschätzung vom persönlichen Empfinden der Triage-Fachkraft ab und variierte in ihren Merkmalen, Zeitfenstern und Eingruppierungsstufen.

Über das MTS System können geschulte Pflegekräfte heute systematisch und standardisiert anhand der vom Patienten geschilderten Symptome und Beschwerden dessen Erkrankungs- bzw. Verletzungsschwere ermitteln. Diese werden einer 5-stufigen Farbkodierung zugeordnet. Diese entsprechen fünf Dringlichkeitsstufen bzw. Behandlungsprioritäten. Jeder der fünf MTS Gruppen sind jeweils maximale Wartezeiten zugeordnet, also die Zeitspanne, nach der ein Patient spätestens einen Arztkontakt haben soll.

MTS Diagramme und Zuordnung der Dringlichkeitsstufen nach Farben

Analog zu den typischen Beschwerdebildern der Notfallpatienten wurden verschiedene MTS Diagramme, sogenannte Beschwerdebilder, entwickelt. In den MTS Diagrammen sind die möglichen Symptome (Indikatoren) den fünf MTS Dringlichkeitsstufen nach Farben zugeordnet sind.

MTS Kategorie Rot: Sofortige Behandlung! Alle anderen laufenden untergeordneten Tätigkeiten werden sofort unterbrochen, um diese Behandlung unmittelbar einzuleiten.

MTS Kategorie Orange: Sehr dringenden Behandlung! Die Behandlung sollte innerhalb von 10 Minuten eingeleitet werden.

MTS Kategorie Gelb: Dringende Behandlung! Die Behandlung sollte innerhalb von 30 Minuten eingeleitet werden.

MTS Kategorie Grün: Normal. Die Behandlung sollte innerhalb von 90 Minuten eingeleitet werden.

MTS Kategorie Blau: Nicht dringend. Die Behandlung sollte innerhalb vom 120 Minuten eingeleitet werden.

Jedem Diagramm bzw. Beschwerdebild und jedem Symptom sind weitere Erläuterungen beigegeben. Die MTS Diagramme sollen die Arbeit des Ersteinschätzenden unterstützen und helfen, bei Zweifeln die richtige Entscheidung zu treffen.

Viele Kliniken haben ein erweitertes MTS und ergänzen ihre Ersteinschätzung, wie beispielsweise die Charité Berlin. Sie berücksichtigen zusätzlich zu den Symptomen und Beschwerdeangaben des Patienten auch die lebenswichtigen Vitalfunktionen Atmung, Kreislauf und Bewusstsein. (Erweitertes MTS Charité). Für Schulungen steht in Deutschland das Netzwerk Ersteinschätzungen zur Verfügung.

ESI Triage: Emergency Severity Index

Der Emergency Severity Index, kurz ESI ist ein ebenfalls 5-stufiger Triage Algorithmus, der von Notfallmedizinern und Pflegekräften Ende der 90er Jahre an der Harvard Medical School, Boston (USA) entwickelt wurde. Auch bei der ESI Triage geht es darum, jene Patienten zu identifizieren, die unmittelbar von einem Notfallmediziner gesehen und behandelt werden müssen.

Dabei werden zunächst Patienten mit hoher Behandlungsdringlichkeit identifiziert, für die anderen wird nachfolgend eine Gruppenzuordnung (nicht Behandlungsreihenfolge!) aufgrund des voraussichtlichen Ressourcenbedarfes festgelegt.

ESI Entscheidungspunkte und Kategorien

Der erste Entscheidungsschritt (Entscheidungspunkt A) prüft, ob der Patient instabil ist und eine „umgehend lebensrettende Intervention erforderlich“ ist. Instabile Patienten werden der Kategorie 1 zugeordnet. Für sie wird ein sofortiger Behandlungsbeginn definiert.

Entscheidungspunkt B prüft, ob es sich um eine Hochrisikosituation handelt, der Patient akut verwirrt, lethargisch oder desorientiert ist bzw. starke Schmerzen hat oder großes Unwohlsein verspürt. Diese Patienten werden der Kategorie 2 zugeordnet. Patienten der Kategorie 2 mit vitaler Gefährdung müssen binnen 10 Minuten einem Arzt vorgestellt werden.

Für Patienten, die nicht unter Kategorie 1 oder 2 fallen, wird im Entscheidungspunkt C geprüft, wie viele Ressourcen (Röntgenuntersuchung, Sonographie, CT etc.) der Patient während seiner Behandlung in der Notaufnahme in Anspruch nehmen wird. Entsprechend der benötigten Ressourcen wird er der Kategorie 5, 4 oder 3 zugeordnet.

ATS: Australasian Triage Scale

Die ATS ist ebenfalls ein 5-Stufen-Modell, das auf der Beurteilung der Vitalparameter beruht. Für jedes Kriterium (Atmung, Atemwege, Bewusstsein, Kreislauf inkl. Schmerz) wird tabellarisch eine Einteilung in eine der fünf Kategorien vorgegeben. Darüber hinaus werden neurovaskuläre, psychiatrische und ophthalmologische Parameter beurteilt, wobei der Parameter mit der tiefsten Kategorie die Gesamtkategorie festlegt. Die Beurteilung dieser Parameter erfolgt unabhängig von der eigentlichen Diagnose.

Die erste australische Triageskala wurde bereits 1977 am Box Hill Hospital entwickelt und benutzte beschreibende Begriffe zur Darstellung der Dringlichkeit, damals aber noch ohne Zeitfenster. Mit der Entwicklung der „National Triage Scale“ (NTS) vereinheitlichte das „Australasian College of Emergency Medicine“ (ACEM) in den 90er Jahren die Nomenklatur und Beschreibungen. Die NTS stellte einen einheitlichen numerischen Code, Kategorien und auch eine Behandlungsdringlichkeit in Form von Zeitfenstern zur Verfügung. Im Jahr 2000 wurde das NTS erneut überarbeitet und ist seitdem unter dem Namen Australasian Triage Scale (ATS) das Standardsystem für die Triage in den Notaufnahmen Australiens und Neuseelands. Weitere Informationen ATS.

CTAS: Canadian Triage and Acuity Scale

Die Canadian Triage and Acuity Scale (CTAS) wurde 1995 auf der Basis des australischen NTS entwickelt und ist ebenfalls ein 5-Stufen-Modell. Im Unterschied zur NTS legt die CTAS ausgefeiltere Zuweisungen von Leitsymptomen zu den Triage Kategorien fest. Die Einteilung in eine bestimmte Triage Kategorie erfolgt nicht nach Tabellen oder Flussdiagrammen, sondern anhand von Umschreibungen von Krankheitsbildern oder Krankheitszuständen.

Beiden Systemen gemein ist ein umfangreicher Katalog von Beschwerdebilder. Die CTAS bezieht aber auch die Diagnose mit in die Ersteinschätzung ein und sei es nur im Sinne einer Verdachts-, Wächter- oder Ausschlussdiagnose. Weitere Informationen CTAS.

ERPath Software Unterstützung für die Triage in der Notaufnahme

Unser Notaufnahme-Informations-System ERPath hat die verschiedenen Ersteinschätzungs- und Triagesysteme integriert. Die Software hilft Ihnen, die Abläufe bei der Triage bzw. Ersteinschätzung in Ihrer Notaufnahme zu strukturieren und für alle Patienten zu dokumentieren. Das hat zum Ergebnis, dass Sie direkt den nachfolgenden Behandlungsprozess für jeden einzelnen Notaufnahme-Patienten steuern können.

ERPath optimiert und beschleunigt die Durchführung der Triage in Ihrer Notaufnahme. Die Software erleichtert der Ersteinschätzungskraft nicht nur die Ersteinschätzung selbst, sondern auch die Dokumentation und spätere Auswertungen. Die Triage legt den Grundstein für den nachfolgenden Behandlungsprozess. Dafür muss sie gut und nachhaltig dokumentiert werden. Mit ERPath haben wir für Ihre Triage ein ausgeklügeltes System für die Dokumentation direkt an Pfad-Checklisten entwickelt. So stellt die Software eine belastbare Dokumentation sicher.

Triage mit ERPath – die Vorteile für Ihre Notaufnahme

Die Triage Software ERPath bildet nicht nur die verschiedenen Triage-Systeme wie MTS, ESI usw. ab, sondern auch deren individuelle Erweiterungen, die von Klinik zu Klinik sehr unterschiedlich sein können. So können in ERPath jederzeit eigene, individuelle Triage-Fragen, Beschwerdebilder oder Indikatoren etc. gestaltet oder ergänzt werden. Mit dieser Möglichkeit stellt ERPath sicher, dass Ihre individuelle Kliniksituation (Klinik auf dem Land oder in einer Großstadt, Klinik mit angeschlossener ambulanter Praxis oder nicht, etc.) genau in der Software abgebildet werden kann.

ERPath ist eine erfahrene, schnelle und auch mobil anwendbare Software zur Ersteinschätzung. Das Eintragen aller Triage Werte inklusive patientenorientierter Dokumentation lässt sich mit Hilfe von ERPath innerhalb von 60 Sekunden realisieren. ERPath erfasst dabei neben den Beschwerdeangaben des Patienten auch die Vitalwerte. Ihre Ersteinschätzungskräfte können im Programm das Beschwerdebild, die Dringlichkeit, den zugehörigen Fachbereich, Vitalwerte, Glasgow Coma Scale, die Einweisungsart, den Grund des Kommens, Allergien, individuelle Notizen sowie einen entsprechenden Behandlungspfad (als Vorschlag an die Pflege und den Arzt) für die darauffolgenden Schritte (ersteinschätzungs- und symptomorientiert) eingeben. Zudem können Sie in der Triage Software ERPath die Grenzwerte bzw. Risikoeinstellungen für Vitalwerte konfigurieren.

Die Implementierung von Triage-Systemen in ERPath

Es ist möglich, jedes der unterschiedlichen Triage-Systeme (MTS, ESI usw.) in ERPath zu implementieren. Ebenso kann ERPath jedes klinikeigene bzw. frei ergänztes Triagekonzept abbilden. Ersteinschätzungen nach MTS und ESI beinhalten sowohl subjektive als auch objektive Informationen und erfordern von den Pflegekräften entsprechende Schulungen und Erfahrungen. ERPath kann diese Systematik integriert mit der Zuteilung eines Fachbereiches und einem klinischen Behandlungspfad mit den empfohlenen Schritten für Pflege und Ärzte abbilden.

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